Henselmann Apartment, Berlin

Umbau einer Wohnung im Haus des Kindes
Fertigstellung 2010

Das Kriegszerstörte Areal um den Strausberger Platz wurde nach einem städtebaulichen Wettbewerb 1951, mit sozialistischen monumentalen Wohnhäusern im Stilmix des Sozialistischen Klassizismus und der nationalen Schinkel’schen Bautradition wiedererrichtet. Der Wettbewerb unter der Führung der DDR sah vor, die damalige Stalinallee, heute Karl-Marx-Allee, als zeichenhafte prunkvolle Ost-West-Verbindung zwischen Strausberger Platz und Proskauer Straße in Blöcke aufzuteilen und an Architektenkollektive zur Planung zu übergeben. Die Bebauung des Strausberger Platzes oblag 1952–1955 einem Kollektiv um den Architekten Hermann Henselmann, der bis zu seinem Tod in einem der von ihm entworfenen, Turmhäuser wohnte.

Die Turmhäuser beschreiben eine Torsituation um den Strausberger Platz. Die beiden östlichen haben 10 Geschosse, die beiden Häuser Richtung Westen zählen sogar 14 Geschosse. Sie wurden als “Haus des Kindes” und “Haus Berlin” errichtet. Anders, als die übrigen Bauten der ehemaligen Stalinallee, wurden sie als Montagebauten aus Betonfertigteilen ausgeführt.

Neben den zahlreichen Wohnungen für hunderte von Arbeitern, wurden im Haus des Kindes ein Puppentheater, ein Kindergarten und ein Kinderkaufhaus sowie ein Kindercafé untergebracht. Die sogenannten “Arbeiterpaläste” sollten durch architektonischen Ausdruck die Arbeiter beglücken und zugleich einschüchtern - eine Reaktion auf die Arbeiterunruhen.

Heute sind im Haus des Kindes unter anderem Bo-Concept, eine Tanzschule, Texte zur Kunst und die Sammlung Haubrock beheimatet.

Das großzügige Entree ist noch immer im Originalzustand erhalten.
In vielen Wohnungen allerdings waren leider nur noch wenige originäre Details erhalten. Auch der Zeitgeist hatte sich geändert. Die PVC-Böden, Fliesen, Kabelkanalleisten sowie die abgehängten Decken im Entree, wurden radikal entfernt. Die Türen wurden nach historischem Vorbild wieder hergerichtet, die eleganten Heizkörperabdeckungen aufgearbeitet.
Vor allem aber wurden die nicht mehr vorhandenen Einbauten rekonstruiert.

Gemäß Henselmanns Intention, betritt man die einzelnen Räume, die sich in einer Enfilade aneinander reihen, nun wieder durch die Einbauschränke hindurch. Waren diese früher weiss lackiert und niedriger, sind sie heute raumhoch und aus Eiche gearbeitet. Die Oberflächen sind naturbelassen. Für die Griffe wurde ein Entwurf im Duktus der 40er-50er Jahre erarbeitet und spezialangefertigt.

Nach historischem Vorbild wurden die Glastüren aus geätztem Glas rekonstruiert. Die Beschläge der Fenster und Türen wurden durch unlackierte massive Messinggriffe ausgetauscht. Die PVC-Böden der DDR-Zeit wurden durch recyceltes Parkett ersetzt.

Die eleganten Heizkörperabdeckungen wurden detailgetreu wieder aufgearbeitet und weiß lackiert. Genau wie die Türen setzen sie sich so dezent vor dem Hintergrund grau gestrichener Wände und dem warmen Holzton von Boden und Einbauten ab.

Daten

Bauherr: privat
Wohnfläche: 148 m2
Planung | Ausführung: 2010
Tischlerarbeiten: Andreas Zierold
Architekturfotografie: © Giacomo Morelli | farawayhome.de

FormationA

Lina Müller