Ausdruck Aufbau Ordnung VI | Das Handwerk

Seminar, Bauhaus Universität Weimar 2012

Das den Charakter von Gebäuden prägende Zusammenspiel von Grundriss und Schnitt, von Konstruktion und Material wird exemplarisch untersucht. In kurzen zeichnerischen Übungen werden über Variationen der Grundlagen die Veränderungen im baulichen Ausdruck beobachtet und im Modell interpretiert.

In diesem Semestern widmen wir uns dem Mauerwerk fokusieren uns auf die Projekte Mies van der Rohes in Deutschland. Dabei werden versuchen diese Projekte in einen Zusammenhang zu Mies`s Lehrmethoden zu stellen und die gewonnenen Erkenntnisse in einer handwerklichen Übung anwenden.

Das Zeichnen eines Mauerwerkverbandes – in der Reihung sich ständig wiederholender Formate mit nur geringer Abweichung (Dreiviertel- und Halbsteine an den Anfängen) – beinhaltet nicht nur die Übung einer handwerklichen Fähigkeit. Die Präzision der Striche, die Breite der Fugen und jede kleinste Abweichung verleiht der Zeichnung einen haptischen Charakter und lässt diese zur architektonischen Zeichnung werden. Allein in der zweidimensionalen Übung ergibt sich ein feines Spiel.

Die Spielregeln des Mauerwerks werden der Situation angepasst. Wir entwickeln ein architektonisches Element nach den uns gegebenen Möglichkeiten und müssen mit genormeten Steinen aber ohne Mörtel und demzufolge ohne Fugen arbeiten (Trockenmauerwerk). Dennoch werden wir weder auf die Funktionalität noch auf die Festigkeit der Konstruktion verzichten und müssen beim Bau einer Freiluftbar das tradierte Maßsystem neu anwenden.

Das Fügen von Steinen ist eine der ältesten Methoden des Bauens überhaupt und hat es seit je her in den unterschiedlichsten Facetten begleitet, unterstützt, erörtert. Es liegt nahe, architektonische Prinzipien, mit den Systemen der gemauerten Wand (gefügten Bauteile) in Zusammenhang zu stellen, haben sie doch eine lange und eng verbundene Geschichte. So radikal, wie der technologische Fortschritt das Mauerwerk in der Breite seiner Anwendung revolutioniert (und verdrängt) hat, verändert sich die Architektur, trotz vieler Gegenbeispiele, nicht. Im Gegenteil; viele wesentliche Entwurfsgrundlagen basieren auf diesen Erfahrungen. Dabei können wir die haptische Anwendung des Materials Ziegel (oder formatierter Stein) durchaus zurückstellen. Als räumliche Maßeinheit und in der Kombination der Möglichkeiten (Verbände) bietet uns das System Mauerwerk noch lange ausreichend Stoff.

Das Fügen von Steinen ist nicht nur ein Fügen von Baumaterialien. Es ist ein Umschließen von Räumen, nach Prinzipien. Diese Räume entstehen aus dem System ihrer Begrenzung und anders herum. Die Gesetzmäßigkeiten und die Freiheiten des Mauerwerks können, gerade wenn man den Maßstab außer acht lässt und den Blick auf das System fokussiert, stabile Grundlagen bieten.

Torsten Lockl, Frank M. Schulz, Norma Tollmann

Robert Bergmann, Nicole Gießbach, Anton Hahn, Katrin Karioth, Christian Liebe, Christoph Pablich, Hannes Pohlmann, Matthias Prüger, Florian Voigt