Stadtteilzentrum Stöcken, Stöckener Markt, Hannover

Mit Alles Wird Gut, Geladener Realisierungswettbewerb mit Ideenteil 2013, 1.Preis, Hannover (D)

Ein Haus im Stadtraum

Die Initiative zur städtebaulichen Neuordnung am Standort Stöckener Markt liegt in den Effekten auf gesellschaftliche und in der Folge auch stadträumliche Gefüge begründet, die sich überall dort bemerkbar machen, wo der technische Wandel Arbeitswelten und demographische Strukturen verändert. weiter ...

Ein buntes Haus für alle - “Alle(s) unter einem Dach”

Das neue Stadtteilzentrum stellt sich im Hinblick auf seine soziale Verantwortung klar hinter das Leitbild des bestehenden Hauses. Es will allen Bewohnerinnen und Bewohnern Stöckens und seinen Gästen ein offenes, soziales und inklusives Haus sein. Diversität im Zusammenhalt ist ein Anliegen, dem sich das Haus gestalterisch wie organisatorisch verpflichtet zeigt. Die markante Dachlandschaft mit ihren vier Laternen markiert weithin sichtbar die verschiedenen Einrichtungen, die das Stadtteilzentrum zukünftig beherbergen wird. Dieses große Dach hält den Saal, die Stadtteilkulturarbeit, den Stadtteilladen und das Leckerhaus zusammen. Der Neubau ist ein Ort für eine Gemeinschaft in Vielfalt, und gibt dieser Gestalt. Eine zentrale Maßgabe des Entwurfs ist die Beschränkung auf lediglich eine Ebene. Kellerlos, ganz ohne Treppen und Lift, ermöglicht dies allen Bewohnern und Besuchern des Stadtteilzentrums einen leichten und direkten Zugang zu den integrierten Einrichtungen. Im Inneren des Hauses bestimmen großzügige Raumhöhen das Bild; hier soll man gut und frei atmen können.

Ein strukturiertes Haus - Ein Haus im Gebrauch

Alle vier Funktionseinheiten des Stadtteilzentrums werden vom zentralen Foyer aus erschlossen. Von diesem reagiert das Haus feingliedrig in seiner Ausrichtung, zur Umgebung und auf die Nutzungsanforderungen. Der Haupteingang orientiert sich zum Stöckener Markt. Die separaten Gruppenräume öffnen sich ebenfalls zum neuen Platz. Neben dem Haupteingang hat auch der Stadtteilladen eine deutliche Adresse.

Sämtliche Büros weisen nach Osten, um morgens eine optimale Belichtung, jedoch über den Tag geringe Lichtimmission zu zulassen. Der Saal mit seiner großzügigen Verglasung sowie das Leckerhaus sind nach Süden hin orientiert. Die Westseite bleibt weitgehend geschlossen; Straßenlärm wird minimiert, die Einsicht gelenkt. Nur das Foyer steckt sich bis in die Fassade durch, um die im Zentrum stattfindenden Aktivitäten und Bewegungen nach Außen abzubilden und so für die Anliegen des Gebäudes und seiner NutzerInnen zu werben.

Im Saal erlauben mobile Trennwände eine Unterteilbarkeit in 3 separate Räume, die sich auch einzeln durch großzügige Öffnungen mit dem Foyer zusammenschalten lassen. Das Büro neben dem Windfang verfügt zudem über einen Tresen mit großzügiger Verglasung zum Foyer. Von hier aus können Besucher empfangen, das Geschehen im Haus gut überblickt und Informationen ausgegeben werden. Der Stadtteilladen wird im wesentlichen von einem großen hohen Gruppenraum gebildet, der dank der Laterne im Dach von drei Seiten Licht erhält und direkt an das Foyer angebunden ist. Das Leckerhaus funktioniert im Gefüge des Entwurfs als eigenständiges “Gebäude im Gebäude”, und ist auch als solches durch eine eigene Dachlaterne ablesbar. Es orientiert sich vor allem nach Süden zum Spielplatz. Leicht zurückgesetzt hilft es, Kinderspiel und Bewegung ohne Beeinträchtigungen oder Überlagerung mit anderen Funktionen des Stadtteilzentrums zu ermöglichen. Die voll ausgestattete Küche versorgt täglich circa 25 Kinder mit einer warmen, frisch zubereiteten Mahlzeit.

Ein robustes, ein freundliches Haus - Material und Konstruktion

Das große, markant gefaltete Dach des Hauses versteht sich als „fünfte Fassade“ des neuen Stadtteilzentrums. Die bereits im Wettbewerb angestrebte Homogenität der Außenwände und des Daches ist der wichtigste Bestandteil des Projektes. Dieser Idee folgend wurde im Zuge der Überarbeitung und Detaillierung des Neubaus eine Erscheinung mit Mauerwerksklinker entwickelt. Das Sichtmauerwerk soll mit einer horizontale Ausrichtung die Feingliedrigkeit des Entwurfs stärken und über eine lebendige Oberfläche den Charakter des Hauses stärken. Gleichzeitig wird die Verwendung eines mit den Fassadensteinen korrespondierenden Dachbelags das Haus „wie aus einem Guss“ erscheinen lassen. Die einheitliche, robuste Erscheinung verleiht dem neuen Freizeitheim eine selbstverständliche und doch unaufdringliche Präsenz, die es zu einem Indentifikationsort am Platz und der näheren Umgebung macht.

Den farblichen Charakter des Hauses prägen Klinkersteine in einem Spektrum erdiger und freundlich warmer Grautöne. Ihre unebene Oberflächenstruktur verleiht ihnen einen charakterstarken, lebhaften Ausdruck, der im Verbund das angestrebte lebendige Fassadenbild hervorbringt. Das horizontale Format der Steine unterstreicht dabei die Gliederung des Hauses. Die Struktur und Oberfläche des Dachsteins harmonieren eng mit der Erscheinung der Fassade und lassen die gesamt “Haut” des Neubaus homogen, lebendig und freundlich erscheinen. Die Hochpunkte des Daches bilden die Laternen, welche zum einen die Funktionen des Hauses im Außenraum markieren und zum anderen zur zusätzlichen natürlichen Belichtung der Räume dienen. Durch ihre Südausrichtung sorgen sie außerdem für einen positiven Solareintrag und eine verbesserte Klimatisierung des Hauses.

Daten

Bauherr: öffentlich
BGF: 1.250 m2
Planung | Ausführung (LP 2-9): 2014-2017

FormationA mit ALLES WIRD GUT

Torsten Lockl, Lina Müller, Herwig Spiegl, Matthias Prüger, Teresa Riethmüller, Nikolaus Steinke, Benjamin Bosse, Robert Müller

Landschaftsarchitektur: Club L94, Köln

Tragwerksplanung: Ifb Thal + Huber, Berlin
Haustechnik: Building Applications Ingenieure, Berlin