Billehalle, Hamburg

Umnutzung einer Industriehalle als Veranstaltungshalle
Kraftwerk Billehalle

Historie

Im Jahre 1901 wurde das Kraftwerk Bille im Stadtteil Hammerbrook erstmals in Betrieb genommen und versorgte zur damaligen Zeit vorallem öffentliche Anlagen, wie die Tram und die Straßenbeleuchtung mit Energie. Gut erschlossen liegt das Ensemble im Osten der Hansestadt zwischen der Bille, dem Bahndamm der Berlin - Hamburger Strecke und dem Bullerdeich. Der für damalige Verhältnisse fortschrittliche Komplex beherbergte neben einer Kraftstation, zahlreiche Werkstätten, ein Kohle-, Maschinen- und Kesselhaus, sowie Wohnungen und ein Verwaltungsgebäude. Mit dem Feuersturm von 1943 endete die Nutzung der Anlage als Kraftwerk. Etwa 10 Jahre später wurden dann große Teile der Liegenschaft an eine Wäscherei vermietet, welche im Jahre 2008 das Areal brach hinterließ.

Collage Programm

Reaktivierung

Der denkmalgeschützte Standort befindet sich heute in einem Industrie- und Gewerbegebiet. Die Kreativwirtschaft Hamburgs hat sich Teilen des Areals bereits angenommen und es entsteht Schritt für Schritt ein zukunftsweisender, sozialgesellschaftlicher, kultureller Standort, der über Zwischennutzungen eine Aufwertung für das gesamte Gebiet nach sich zieht.

Die Studie befasst sich mit der Frage, wie die Reaktivierung des Geländes als Initiator eine solche angestrebte Entwicklung anzuschieben vermag. Eine Entwicklung die modellhaft für den Wandel der Industrielandschaft Deutschlands, weg vom produzierenden hin zum dienstleistenden Gewerbe zu verstehen ist. Einst wurde hier Energie und Elektrizität für eine aufstrebende Stadt erzeugt, nun soll im alten Kesselhaus, dem Mittelbau der Anlage eine Konzerthalle für bis zu 3500 Musikbegeisterte entstehen. Hamburgs Osten bekäme damit ein kulturelles Zentrum, welches als Anker weitere soziale Projekte und Einrichtungen ins Umfeld des Kraftwerks brächte.

Lageplan

Heterogenität und Adaption

Das Ensemble Kraftwerk Bille besteht aus einem Konglomerat an Gebäuden. Der gesamte Komplex entstand in unterschiedlichen Bauabschnitten. Diese Ansammlung verschiedenster Typologien und Funktionen finden darin eine divergierende, bauliche Gestalt, die dem Ort seinem Charakter verleiht.

Ausgehend von der Heterogenität des Ortes reagiert die Studie auf die angetroffenen Maßstäbe und Verhältnisse und schlägt vor das Kraftwerk Bille mit unterschiedlichsten Funktionen und Nutzungen anzureichern. Neben der Konzerthalle im Herz des Ensembles werden Ateliers, Gastronomie, Tagungs- und Kulturangebote einen entsprechenden Rahmen finden. Ebenso können Büros und Lofträume in den alten Industriebauten untergebracht werden. Eine zeitgemäße Unternehmenskultur, die gleichermaßen Platz für Arbeit und Freizeit bietet, ist das neue Gesicht des Kraftwerks Bille.

Schnitt 1:500

Organisation

Die Konzerthalle befindet sich im alten Kesselhaus des Kraftwerks und wird vom Norden her erschlossen. Eine Durchwegung des gesamten Grundstücks bietet auch die Möglichkeit vor den Konzerten an der Bille zu sitzen. Der Konzertraum wird etwa 3500 Besucher fassen können und verfügt über einen Rang, welcher auch separat von außen betreten werden kann.

Die Bedingungen, für einen Ausbau der bestehenden Halle zu einer zeitgemäßen Veranstaltungshalle wurden in der Studie ausgelotet. Dabei lag einerseits der Schwerpunkt in der Organistation der differenzierten räumlichen Bereiche für Publikum und Stuff, andererseit die Integration der technischen Servicestruktur im Fokus der Bearbeitung. Trotz einer optimal funktionierenden Veranstaltungshalle soll die ursprüngliche Gestalt der bestehenden Räumlichkeiten bewahrt, besser noch in ihrer Atmosphäre inszeniert werden.

Erdgeschoss 1:500

Konstruktive Gestalt

Ein Tragwerk aus Stützen bildet die Grundstruktur des Gebäudes. Im Raster der Stützen ist ein durchgehendes Oberlicht als Dachreiter ausgebidet. Eine versetzte, mit Balken abgefangene und separat zugängliche Galerie umläuft den Hauptraum. Diese Galerie erschließt weitere Räume im Obergeschoss. Die Halle ist einer der ersten bei der Stahlbetonkonstruktionen verwendet wurden. Einer heutigen Nutzung bietet der große Raum ausgiebige Möglichkeiten für bauliche Adaptionen verschiedenster Art.

Die Studie sieht vor, alle baulichen Strukturen zu erhalten und mit neuem Leben zu füllen. Die Herausarbeitung des industriellen Charmes ist das erklärte Ziel. Die Spuren der Zeit werden konserviert und mit neuen Akzenten kombiniert.

Um einer Bespielung als Veranstaltungshalle und den damit verbundenen erhöhten Publikumsaufkommen gerecht zu werden, wird die Galerie baulich erweitert. Die Erschließung dieser zweiten Ebene wird als Leitgedanke der Umnutzung thematisiert und bietet Qualitäten, die sowohl innerhalb des Gebäudes als auch in den Außenbereichen genutzt werden. In dieser „räumlichen Staffelung“ wird die bestehende Tageslichtführung behutsam rekonstruiert und um funktionale Notwendigkeiten, wie Verdunkelung oder zusätzliche Beleuchtung, ergänzt und verstärkt somit die Intensivierung der Aufenthaltbereiche.

Untergeschoss 1:500
Modell Untergeschoss
Visualisierung Eingang

Daten

Bauherr: privat
BGF 3.000 m2
Studie 2014

FormationA mit Büro Jens Casper

Torsten Lockl, Lina Müller, Jens Casper, Tobie Verleye, Matthias Prüger